Und gewonnen hat…
Die Junge Union Sachsen-Anhalt hat bekommen, was sie wollte: »Wir wollen Böhmer«, forderte sie auf ihrer Wahlkampf-Postkarte. Und obwohl CDU und FDP zusammen mehr als 20 Parlamentssitze verloren haben, bleibt Wolfgang Böhmer allem Anschein nach Ministerpräsident – in Koalition mit der SPD (die nicht mit der Linkspartei.PDS zusammengehen will). Von einer »großen Koalition« kann man indes kaum sprechen: Die Linke hat mit gut 24 Prozent der Stimmen rund drei mehr als die Sozialdemokraten.Den Visuellen Wahlkampf auf wahlkampf.politik-visuell.de hat das JU-Motiv auf jeden Fall gewonnen: Über 1700 Mal wurde das Bild mit »Cindy und Silvio« (so nannte sie Kommentator »chris«) bis zum Wahlabend bewertet – mit Durchschnittnote 2,8. Wie oft die Jung-Unionler davon selbst auf das Motiv geklickt haben, lässt sich allerdings nicht feststellen.
Die CDU Baden-Württemberg wäre vielleicht ganz gut beraten gewesen, am Visuellen Wahlkampf teilzunehmen – vielleicht hätte es dann ja zur absoluten Mehrheit im Ländle gereicht – jetzt muss sie mit der FDP weiter koalieren. Kurt Beck in Rheinland-Pfalz könnte sich von den Liberalen trennen: Der SPD-Ministerpräsident kann sich künftig auf eine absolute Mehrheit im Parlament stützen, will aber dennoch ein Gespräch mit der offenbar liebgewordenen FDP führen. Im Visuellen Wahlkampf Rheinland-Pfalz hatten hingegen die Grünen die Nase vorn: Mit ihrem Motiv »für Kinder und Karriere« erreichte sie Platz 1 mit Noten zwischen 3,1 und 3,3 – allerdings bei gerade mal 92 Bewertungen. Das nützt den Grünen allerdings nichts: Bei der Wahl schafften sie die 5-Prozent-Hürde nicht (4,6 Prozent) – davon profitiert nun Kurt Beck.
Ein paar Zahlen zum Visuellen Wahlkampf: Bis zum Wahlabend wurden für die Plakatmotive aller drei Bundesländer fast 18.500 Bewertungen und über 500 Kommentare abgegeben. Das kann sich sehen lassen: Bei der Bundestagswahl 2005 waren es rund 25.000.
Dass die Wahlen in Sachsen-Anhalt als die spannendsten galten, zeigte sich auch im Visuellen Wahlkampf: Über 14.000 Bewertungen wurden hier abgegeben. In Baden-Württemberg waren es nur rund 2200, in Rheinland Pfalz nur 2100.
Besonders eifrig wurde das Böhmer-Motiv »Der Garant« diskutiert. Ein paar Beispiele: »Cooles Plakat« – »unsensibel und großkotzig« – »meines Oma findet’s ‘geil’« – »inhaltlich Schwachsinn« – »preisverdächtig« – »Opi kommt« – »cool, lässig und ganz unaufgeregt«…
Die Grünen tauchen weder im Landtag noch in den Top Ten auf. Dabei können sich die Plakate eigentlich sehen lassen – wie auch in den anderen beiden Bundesländern stammen sie von der Agentur »Zum goldenen Hirschen«.
Viel Beachtung fanden auch die Plakate der Linkspartei – mal rein textlich, mal mit dem Gesicht ihres Spitzenkandidaten Wulf Gallert, der nach bisher unbestätigten Informationen an Heidi Klums nächster Model-Casting-Show teilnehmen wird. Nein, im Ernst: Obwohl Gallert nicht gerade das klassische Werbegesicht hat, wurde offensiv damit geworben – und warum auch nicht? Die Ergebnisse geben den Linken jedenfalls recht.
Mehrere Parteien haben übrigens dafür geworben, nicht die DVU zu wählen.
In Rheinland-Pfalz werden die Top Ten von den Grünen dominiert – den Sprung in den Landtag hat die Partei jedoch nicht erneut geschafft (hmm, haben die Hirschen vielleicht doch nicht so gut gearbeitet?). Weder in den Top Ten, noch im Landtag ist die WASG zu finden – sie warb in Rheinland-Pfalz ausschließlich mit Texten. Die CDU und Spitzenkandidat Christoph Böhr sucht man in den Top Ten vergeblich – dabei menschelt’s auf den Plakaten ganz massiv. Böhr hat sich inzwischen verabschiedet: Er gibt seine Spitzenämter im Land auf. Aber, Kopf hoch: Die Plakate waren echt okay. Jedenfalls im Vergleich zu DIESEM von der SPD. Die FDP taucht mit zwei Plakaten in den Top Ten – als Koalitionsbrüderle der SPD hat sie wohl trotzdem ausgesorgt.
In Baden-Württemberg fand der Visuelle Wahlkampf mit einem Manko statt: Die CDU stellte ihre Plakate trotz vielfacher Anfragen nicht zur Verfügung (unter http://www.cdu-bw.de/landtagswahl-2006/plakatgalerie/ kann man sie immerhin ansehen – so viel zum Thema Interaktivität). Dabei sind die Plakate eigentlich ganz witzig gemacht: Text, Fotos und Zeichnungen sind hier geschickt miteinander verschmolzen – damit hätte man die Konkurrenz nicht scheuen müssen.
Die Top Ten werden von den Textplakaten der SPD dominiert – jaja, auf den Inhalt kommt es an. Die Plakate, die sehr an den Bundestagswahlkampf erinnern, sind trotzdem recht langweilig (vgl. Wahlergebnis: minus 8 Prozent). Ehrenrettung für die Grünen und ihre Hirschen: Mit »Kinder und Karriere« haben sie nicht nur den Visuellen Wahlkampf gewonnen, sondern auch 4 Prozent bei den Wahlen – Reschpekt!
Bleibt die Frage: Was können wir besser machen beim Visuellen Wahlkampf? Und wie lautet Euer Fazit zum Plakateangebot der Parteien?




